Der Beobachter. 2008



Kunst-Atelier
Ursu Unbehaun

Sieker Landstr. 41
22143 Hamburg-Rahlstedt
Mobil: 0175 - 850 38 27
E-Mail: uunbehaun@aol.com
www.art-ursu.de

Zum Werk von Ursu Unbehaun

Planet Erde – Feuer, Wasser, Licht und Luft

Farbe ist die wichtigste und imposanteste Dimension in der Malerei von Ursu Unbehaun. Der erste Eindruck ist geprägt von einer sinnenfrohen Farbintensität, die gleichsam eine schier unbändige Lust am Leben verrät. Mit ihrer Retrospektive präsentiert Ursu Unbehaun eine einzigartige Position, die sich durch eine existenzielle Auseinandersetzung mit der Farbe auszeichnet. Unbeirrt von Moden oder Trends malt die Meisterschülerin von Marianne Weingärtner in unverwechselbarem Stil.

Anklänge von Rokoko, Romantik und Informel sind zu erkennen: Zartes Pastell trifft auf ausladend geschwungene Formen in erdigen Tönen. Geisterhaft entleiblichte Figuren schälen sich aus den dynamischen Kompositionen heraus und treiben ihr Versteckspiel mit dem Betrachter. In satter Farbigkeit greifen sie in den sie umgebenden Raum hinein – und entwickeln in der Gegenbewegung einen starken Sog. Unentwegt kann der Betrachter neues entdecken, sich im Bildraum verlieren.

Struktur und Plastizität

Ursu Unbehauns bildnerische Arbeiten zeichnen sich durch die Anwendung einer großen Bandbreite künstlerischer Techniken aus: egal ob auf der Basis von Öl, Blattgold, Acryl, Englischer Tinte oder Mischtechnik mit eingearbeiteten plastischen Materialstrukturen, Schichtungen von Farbe, Sand, auf Leinwand, Karton und Pergament, mit Rissen, Schwüngen und bewegten Linien in Pastellkreide. Die Bilder dehnen den Raum weit in die Tiefe hinein. Gleichzeitig lassen sie auf der Bildfläche mit ertastbaren Strukturen eine reliefartige Dreidimensionalität emporwachsen. Die Wirkung der abstrakten Arbeiten geht daher wesentlich von der haptischen Präsenz der aufgetragenen Materie aus. Im Bild tritt eine innere Beschäftigung der Künstlerin zu Tage, die in Hamburg an der Fachhochschule für Gestaltung Malerei und Grafik studierte. Die Arbeiten sind jedoch nicht allein als Expressionen innerlicher Bewegtheit zu verstehen. Vielmehr schaffen sie einen gemeinsam von Künstlerin, Material und schließlich auch dem Betrachter geprägten Raum.

Dynamik und Rhythmus

Es ist ein unentwegtes Werden, Vergehen und Wiedererstehen: Die skizzierten Schemen und Erscheinungen fordern kokett die ungebundene Farbe heraus, das Malerische umhüllt die Figuren in der Serie „Andante.“ Eine ausgereifte kompositorische Dynamik charakterisieren die Figurenserien in den Bildern „Café Wichtig“, „In der Pause“ und den „Tuaregfrauen“.
Es sind oft die Landschaften deren malerische Vitalität den Betrachter geradezu überfällt. Ursu Unbehaun malt naturhaft wuchernde Zellen und Organismen von flammender Intensität und leuchtendem Colorit. Das Bild „Movimento II“ zeigt eindeutig Farben und Zellformen, und doch sieht man in diesen Verläufen vielleicht auch Wolken, ein Abendrot, fließendes Wasser, glühendes Feuer oder Lavaströme. Es ist das alles, und es ist das alles nicht. Unser Erkennen selbst gerät ins Fließen. Entgegen dieser vor allem ästhetischen Konfrontation trifft die Künstlerin unmittelbar körperlich mit ihrem Werk aufeinander. Ursu Unbehaun malt in vielen Schichten, verarbeitet natürliche Materialien, z. B. Sand, evoziert Durchbrüche, Aufbrüche, Überlagerungen, Befreiungsschläge von Farbe und Form. Doch die Künstlerin lässt das Material auch selber arbeiten. So ist die Farbe hier weniger Mittel zur Gestaltung als eine eigendynamische kreative Kraft. Ihre Materialität bestimmt wesentlich mit, was auf der Leinwand zu sehen ist.

Was ist das bloße Leben? Diese Frage stellte sich Roger M. Buergel zur Konzeption der documenta 2008. Sie gilt der absoluten Verletzlichkeit und Ausgesetztheit menschlichen Lebens in seiner apokalyptischen und ekstatischen Dimension, d.h. Leid und Lust sind oft ganz nah. Auch die Abstraktionen von Ursu Unbehaun enthalten und transzendieren die urmenschlichen Themen des Lebens: Lebensfreude, Vitalität, Tanz, Musik ebenso wie Angst, rohe Bedrohung oder widerborstiges Aufbäumen. Insofern ist der Mensch also, auch in den Abstraktionen, stets anwesend in Ursu Unbehauns Werk. Es ist – kurzum – eine Hommage an das Leben.

© Juli 2010, Dr. Barbara Aust-Wegemund